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Mein
Wecker klingelt. 5:30h!!! Während ich mich noch frage, wo und wer ich bin, stehe ich aber
doch gleichzeitig auf, weil Pünktlichkeit nun mal beim Filmedrehen
das A und O ist. Halbblind taper ich in den Frühstücksraum meines
Hotels in Köln, das Buffet wird gerade erst aufgebaut. Keiner da
- warum auch??! Der Einzige, der pünktlich um 5:45h aufkreuzt, ist
Martin, mein Fahrer. Da Martin auch noch nicht richtig wach ist
(er war gestern noch feiern), kann ich ihn noch kurz auf einen Kaffee
einladen, was meine Frühstückszeit immerhin um 5 Minuten verlängert.
(hi, hi)
Wir
fahren nun zum Set (Drehort) und hören mit ziemlicher Lautstärke die Stereo MCs.
In Köln gabeln wir noch Susan (spielt Franziska Borgardt) und Birgit
(Chris Rabe) auf. Wir müssen heute einen längeren Weg zurücklegen,
denn das Set liegt etwa 1 Stunde außerhalb von Köln an einem schrankenlosen
Bahnübergang. Wir halten an etwa jeder 2. Tankstelle an, weil entweder
eine von uns für kleine Engel muß, Susan die Zigaretten
oder mir die Schokolade ausgegangen ist. Es erinnert alles ein
wenig
an eine Klassenfahrt. :o)
Am Set
angekommen geht es nun erst mal in die Maske. Meine Maskenbildnerin
und
gleichzeitige Privatspychologin deckt mir jeden einzelnen meiner Pickel
ab und macht mich hübsch, während ich gleichzeitig meine Wehwehchen
aber auch den neuesten Klatsch loswerde. Ich glaube, die Maskenbilder
kennen immer alle Geheimnisse von allen. Sie sind die allgemeine
Klatschzentrale am Set und könnten ganze Bücher mit Geschichten
schreiben. Nachdem ich geschminkt bin, hol ich mir erst mal mein
zweites Frühstück beim Catering und begrüße noch ein paar weitere
unwache Kollegen, die dort rumstehen. Das Catering ist beim Film
immer sehr, sehr wichtig. Dort kann man sich den ganzen Tag Brötchen
und Getränke holen. Natürlich gibt es dann auch noch ein reichhaltiges
Mittagessen. Allerdings sind nicht alle Caterer gut, und so steigt
und fällt auch oft die Stimmung eines gesamten Filmteams mit der
Qualität des Essens. Wie gesagt: Essen ist für alle immer sehr wichtig!!!
Bei den Wilden Engeln hatten wir Glück: Es war lecker
- und wir wurden dicker...
So,
nun lange genug gefuttert! Unser Aufnahmeleiter Marcel nimmt
mich bei der
Hand, führt mich
zu meinem Wohnwagen und bittet mich, mich gaaanz schnell umzuziehen,
da wir bereits vor ca. 5 Minuten eine Stellprobe machen wollten
(Stellprobe ist normalerweise nur mit dem Regisseur und den Darstellern.
Da wird erst mal grundlegend festgestellt, was man macht und was
man so sagt. Anschließend wird dann die Kamera aufgebaut und das
Licht gesetzt). Die Garderobieren haben mir schon alles in den Wohnwagen
gelegt. Frisch gewaschen und gebügelt - ich brauch nur noch reinzuschlüpfen.
Tja, das ist ein Service hier...
Na gut
- Stellprobe hab ich ja schon erklärt.
Am heutigen
Tag drehen wir eine Verfolgungsjagd. Birgit sitzt mit Susan als
Geisel in dem
Fluchtwagen, und ich rase im Polizeiwagen hinterher. Birgit fährt um mich abzuschütteln
direkt auf einen kreuzende Eisenbahn zu, fährt über eine Rampe und
fliegt über den Zug. Ich hinterher. Es gibt heute zwei Units: Drama-Unit
und Action-Unit. Die Drama-Unit dreht den ungefährlichen Teil mit
uns und mit dem Dialog und die Action-Unit dreht den Flug über den
Zug mit Stuntleuten und wenn es ganz gefährlich wird, den Dummys
(menschenähnliche Puppen) Jede Unit hat ihren eigenen Regisseur,
der genau wissen muß, was er drehen will, so dass nachher alles
zusammenpasst.
Ich
bin zuerst mit dem Polizeiwagen dran. Wir drehen gleichzeitig
mit zwei Kameras.
Die eine Kamera
ist fest an die Seite meines Autos montiert. Die zweite Kamera
fährt
auf einem Anhänger vor mir her. Der Regisseur sitzt auch vorne auf
dem Anhänger mit fliegenden Haaren und gibt mir über Walkie Talkie
Anweisungen, was ich machen soll. Die Sache mit den beiden Kameras
hat den Vorteil, daß man zwei Ansichten gleichzeitig drehen
kann: Mich im Profil und von Vorne (Das kann man dann später gut
zusammenschneiden)
In mein
Auto hat der Tonmann noch ein Mikrophon eingebaut, weil man soll
mich
ja schließlich
auch hören. Auf diese Weise fahren wir alle mehrmals ums Feld, solange
bis Sigi ( ch hab unseren Regisseur noch gar nicht vorgestellt -
wie unhöflich) meint, er hat jetzt alle Blicke und alle Sätze, die
er für die Verfolgungsszene braucht. Sigi Rothemund, unser Regisseur,
macht seine Sache wirklich gut. Er dreht ja auch schon seit über
30 Jahren Filme wie z.B. ganz früher Tim Thaler, Silas etc.
So,
nachdem diese Szene nach einer Stunde nun endlich im Kasten ist
(sagt
man so) hab ich ein
bisschen Pause, da die Actionjungs noch nicht so weit sind mit
ihrem
Autostunt und die Drama-Unit nun mit Susan und Birgit weiterdreht.
Ich geh in meinen Wohnwagen, telefonier ein bisschen, höre Walkman,
schlafe oder lese im Drehbuch und schau mir an, was wir die nächsten
Tage so drehen werden.
Wenn
man eines beim Film hat, dann sind das lange Wartezeiten. Wer
jemals von
Euch als Statist
bei einem Film mitgemacht hat oder einfach nur beim Drehen zugeschaut
hat, kann das bestätigen: Ein Drehtag besteht zu 80%(!!!) aus Rumsitzen
und Warten. Es muß ja immer wieder umgebaut werden, jede Szene wird
dann zigmal wiederholt und alles daaaauuuuuueeeeerrrtt. Jawohl!
Das musste an dieser Stelle mal gesagt werden. Ich warte... und
warte...... dann: erst mal Mittag. Auch gut, denn es regnet, und
bei Regen können wir eh nicht weitermachen, weil man das sieht und
die Drehbedingungen sind dann auch für den Stunt vorübergehend zu
gefährlich, weil alles naß ist. Ob das heute überhaupt noch was
wird??!
Wir
warten alle ein... bis... zwei Stunden und... Juhu! Die Sonne!!
Jetzt kommt
endlich mein
großer
Auftritt bei der Action-Unit. Was soll ich machen? Keiner weiß es...
Gut, wir drehen jetzt die Szene, wo ich mich mühsam aus dem überschlagenem
Auto rausquäle.
Wow!
Das klingt nach einer echten Herausforderung, aber man muß sich als Schaupieler in allen
Szenen, und sind sie auch noch so klein, viel Mühe geben und seine
ganze Energie hineinlegen, denn ein Film besteht nun mal aus vielen
kleinen Einstellungen, und jede einzelne ist wichtig zum Gelingen
eines spannenden Films. Gesagt, getan ich quetsche mich mehrmals
hinter das Lenkrad und steige mehrmals ein und aus, easy alles wunderbar.
Sah gut aus. Prima, und was jetzt? Der Boden ist jetzt wieder trocken
und sie machen mit dem Stunt weiter, wo ich durch eine Puppe gedoubelt
werde, weil es sogar für die Stuntleute zu gefährlich ist, sich
mit einem Auto zu überschlagen. Und ich?? Schau solange dem Eva-Dummy
zu. Erst mal warten heißt es. Auch gut. Im Warten bin ich großer
Meister. Bin ja auch schon acht Jahre beim Fernsehen und wer in
der Zeit nicht warten gelernt hat.... Ich warte also noch mal zwei
Stunden und darf dann aber auf einmal überraschend zurück ins Hotel,
weil es für mich an dem Tag nichts mehr zu tun gibt (Der Stunt
dauert einfach noch) .
Es ist
jetzt inzwischen 18 Uhr und ich bin eigentlich ganz froh über diese Entscheidung. Martin
fährt mich zurück nach Köln, und ich gehe direkt zum Fitness, um
mich ein bisschen auszutoben und anschließend in die Sauna zu gehen.
Auf dem Heimweg ins Hotel hol ich mir noch im Quattro carni eine
Pizza. Dort angekommen lerne ich noch meine Dialogszenen für den
nächsten Tag. Doch!!! Es sind in dem Fall zwei Seiten Text - Mal
wieder eine Herausforderung. :o) Also,... das war ein ganz normaler
Drehtag bei den "Wilden Engeln".....
Viele liebe Grüße,
Eure Eva
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