TV SPIELFILM: Dein neuer Film ist eine Rosamunde-Pilcher-Verfilmung. Eine gute Geschichte?

Eva Habermann: "Zwei Schwestern" ist so eine Art Aschenputtel-Variante. Ich verliebe mich in einen etwas versnobten Lord. Dann trifft er meine Schwester, kommt mit der zusammen. Doch am Schluß gibt sie ihn frei, weil sie einsieht, daß er mich liebt. Und hach, Kitsch, Kitsch, Kitsch, Kitsch!

Kommt man da beim Dreh nicht ins Schmunzeln?

Nein, da steigert man sich schon ziemlich rein. Ich denke auch, wir haben es ganz gut hin bekommen, daß es nicht lächerlich wirkt.

Von "Pumuckl-TV" zu Pilcher - da werden viele das Klischee der blitzblanken Blondine bemühen. Nervt das?

Ich bin noch nicht so lange dabei, daß mich da schon irgendwas nerven könnte.

Kein Image-Problem?

Nein, Gott sei Dank nicht. Nach dem Pilcher-Film habe ich eine Komödie à la "Pretty Woman" gedreht, also eine ganz andere Sache. Momentan verbinden die Leute mit dem Namen Habermann noch gar kein konkretes Image.

So kannst Du Dir viele Wege offenhalten...

...und ich werde durch die Vielfalt der Rollen noch viel dazulernen können. Ich habe zwar seit meinem 14. Lebensjahr Schauspiel-, Sprech- und Gesangsunterricht genommen, aber bei mir ist es immer noch eine 'learning by doing'-Sache. Das ist für mich gerade das Spannende an dem Beruf - daß man ihn nie ganz lernen und immer noch besser werden kann.

Nächstes Jahr drehst Du für die ARD eine Sommer-Sonne-Strand-Serie, die Dir schon jetzt den Stempel "Deutsche Baywatch-Pamela" beschert hat.

Natürlich liegt "Baywatch" nahe, weil die Serie halt am Strand spielt. Wir werden wahrscheinlich auch im Bikini rumlaufen, das bietet sich ja an. Ansonsten bin ich ja nicht so der Pamela-Anderson-Typ.

Wenn man in den Archiven stöbert, findet man vor allem Yellow-press-Artikel über das "Liebes-wochenende" mit dem Freund aus Kanada, den "romantischen Urlaub" mit Kollege Fabian Harloff...

Am Anfang ist es wichtig, daß du an deiner Popularität arbeitest. Aber so was werde ich nicht mehr machen.

Schlechte Erfahrungen?

Natürlich werden oft Zitate erfunden wie: "Seitdem ich so verliebt bin, finde ich mich noch hübscher." So was sagt ja kein Mensch!

Du nimmst das aber so hin?

Ist mir egal, ich lese so was kaum.

Hast Du nicht aufgeregt am Kiosk gestanden...

Klar, am Anfang bin ich sofort losgefahren, habe mir das Heft besorgt und gedacht: "Oh, das ist jetzt was ganz Tolles." Irgendwann habe ich aber gemerkt, daß mich so was nicht weiterbringt.

Und gibt’s den kanadischen Freund noch?

Der Job ist ziemlich beziehungsfeindlich.

Was war der Impuls, mit 14 zu sagen: "Ich werde Schauspielerin"?

Der Impuls war ein Casting-Aufruf, den mir meine Schwester gezeigt hat. Die meinte: "Du wolltest doch schon immer gern so was machen, geh doch mal da hin." Ich dachte mir, wenn ich alles daran setze, dann klappt das auch.

Das lief parallel zur Schule, und Du hast trotzdem Dein Abitur mit einer glänzenden 1,3 bestanden.

Das bringt jetzt auch nichts mehr.

Aber hattest Du nie das Gefühl: "Ich bin so gut in der Schule, jetzt muß ich auch studieren."?

Nein, um Gottes willen. Die Lehrer haben zwar immer gesagt: "Du bist so intelligent, warum willst du nicht was Anständiges lernen?" Doch den Gedanken hatte ich nie.

Du hattest den Ehrgeiz: Schauspielausbildung, berühmt werden und ein gutes Abitur.

Ich wollte eigentlich gar nicht berühmt werden, ich wollte spielen. Aber ich bin wohl sehr ehrgeizig und diszipliniert. Auch jetzt, wenn ich drehe, gehe ich z. B. abends nicht aus. Ich setz' mich hin, lerne Texte oder geh' früh schlafen, damit ich morgens fit bin. Es gibt Schauspieler, die saufen die Nacht vorm Dreh durch.... Aber solange man gute Leistung bringt, ist es eigentlich Wurscht, wie man's macht.

Privates hat da wenig Platz. Hast Du für die Karriere Freunde geopfert?

Nö, meine drei besten Freundinnen haben ja von Anfang an alles miterlebt. Alle Höhen und Tiefen. Wie ich morgens vor der Schule von sieben bis acht Sprechübungen im Keller gemacht habe und so. Die konnten eigentlich immer nur mehr oder weniger erstaunt zuschauen, wie es sich entwickelt.

Kein Neid?

In der Schule schon. Wenn du befreit wirst vom Unterricht, weil du drehen mußt, das sehen die Leutchen nicht so gern. Aber darauf kann man ja auch nichts geben, denn Neid ist immer da, wenn du was machst, was dich aus der Masse hebt. Ich habe dann ja auch noch ein Schuljahr übersprungen. Und in der neuen Klasse konnten sie es noch weniger akzeptieren, daß da eine Jüngere ankommt, die zudem gute Noten schreibt. Also war ich immer ein Außenseiter, immer mehr so der Grübler.

Aber muß man sich nicht am Beginn der Karriere auch in der Öffentlichkeit präsentieren, auf den wichtigen Parties rumhängen?

Nee, muß man nicht. Wenn man sich am Set mit den Leuten gut versteht und nett ist, muß man nicht darüber hinaus noch was mit denen anfangen. Die sollen mich nicht nehmen, weil ich irgendwie hübsch bin, sondern weil ich für die Rolle passe und weil es denen gut gefällt, wie ich das mache. Ich bin zu stolz, um mich irgendwo anzubiedern.

Als Juristen-Tochter aus dem gutbürgerlichen Eppendorf bist Du sicherlich behütet aufgewachsen.

Ja... sehr.

Steht Dir das jetzt manchmal im Weg, wenn Du bestimmte Rollen spielst und denkst: "Das ist so eine kaputte Person, solche Probleme hatte ich nie" oder "Ich hatte nie so viel Kummer"?

Ein intaktes Elternhaus ist ja kein Garant dafür, daß du keinen Haß verspürst oder Trauer, daß du nie Liebeskummer hast. Andererseits ist es ja gerade das Tolle an dem Beruf, daß du Sachen zeigen darfst, die du sonst nicht so zeigst, Gefühle wie Haß oder Verzweiflung. Das ist befreiend, das tut richtig gut.

Vor zwei Jahren wurdest Du mit dem Satz zitiert: "Ich würde sogar das Testbild moderieren, ich falle halt gern auf."

Oh mein Gott. Heute würde ich wohl eher sagen: "Ich sondere mich gern ab."

 

Dieses Interview mit Eva Habermann wurde von Heiko Schneider fürTV Spielfilm gemacht. Herzlichen Dank.

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