"Neue Presse": Wie gut können Sie denn so mit Ihren Finanzen umgehen?

Eva Habermann: Ich? Mit meinen Finanzen?

In 'Vier Tage Toskana' sind Sie immerhin diejenige, die die maroden Finanzen Ihrer Mutter bereinigen muss.

Ach so -aber da spiele ich eher meine Schwester, die kann das viel besser als ich. Die ist die Rationalere von uns beiden, die weiß, wo man noch ein paar Cent sparen kann. Ich guck bloß, dass mein Konto nicht im Minus ist, aber ich hab‘ nicht den Superplan, wie ich mein Geld am besten anlege, das ist mir zu kompliziert. Das lass ich meine Eltern machen.

Ihre Eltern?

Ja, mein Vater war in der Steuerabteilung von 'Esso'. Wenn der es nicht weiß, wer dann?

Wie halten Sie es denn mit Ordnung? Noch ein Problem Ihrer Film-Mutter, die hat Briefe jahrelang nicht geöffnet.

Das hat mir wiederum meine Mutter ausgetrieben. Sie hat immer gesagt, Briefe soll ich ordentlich sammeln.

Wann haben Sie den letzten geschrieben?

Einen handschriftlichen Brief? Oje, keine Ahnung. Ich schreibe lieber SMS, so 500 Stück im Monat. Teilweise sind die zwar so lang, dass man sie für einen Brief halten könnte. Aber ich mag SMS lieber, ich mag das Unmittelbare an dieser Art der Kommunikation, zu wissen, dass das gleich da ist, dass der andere sofort reagieren kann.

Ist das auch, was Sie am Bloggen reizt? Sie führen auf Ihrer Homepage ein Tagebuch.

Daran ist der Reiz eher, dass man die Dinge noch einmal Revue passieren lassen kann. Es macht Spaß, aufzuschreiben, was man erlebt hat.

Haben Sie mal was reingestellt, was Sie hinterher lieber wieder gelöscht hätten?

Das nicht. Ich hab' aber mal richtig Stress gekriegt, als ich die neuen 'Wilden Engel' -

- aus der RTL-Serie, in der Sie auch mal gespielt haben? -

- kritisiert hab'. Da hab' ich Droh-Mails bekommen.

War das beängstigend?

Eher affig. Die schreiben ja nicht, dass sie mich umbringen wollen, sondern was ich für eine fiese Schlampe bin, ich hätte nicht alle Tassen im Schrank.

Nicht nett.

Nö, aber wenn man andere kritisiert, muss man mit einem Echo rechnen.

Das klingt, als ließen Sie sich nicht so leicht von was abbringen. Überhaupt wirken Sie ziemlich zielstrebig - Schauspielunterricht schon im Alter von 14 Jahren, Abi mit 1,3...

Das stimmt, ich hab‘ gern ein Ziel im Leben. Beruflich wie privat. Ich mache mir auch immer einen Tagesplan, wenn ich frei habe. Dafür überlege ich, was ich wann erledigen will.

Was bringt Ihnen das?

Ich bin nicht gerne ziellos, dann fühle ich mich unwohl. So ein Plan bringt Struktur in den Tag, das gibt mir Halt. Ich mag im Urlaub auch lieber die Berge als das Meer, das Meer ist mir zu unendlich, die Berge sind eine beruhigende Begrenzung.

Dazu passen Ihre Gedichte.

Wieso?

Gedichte sind keine freie Textform, sondern festen Regeln unterworfen.

Stimmt (lacht).

Thema in Ihrem Gedicht 'Die Suchende' ist es, wie Sie Grenzen ausloten. Sie schreiben über eine fremde Macht, die Sie immer weiter treibt. Was macht Sie so rastlos?

Das wüsste ich selber gern. Und das ist ja irgendwie auch immer die Grundfrage des Menschen: 'Warum mache ich das? Was ist der Sinn? Das Ziel?' Ich weiß nur, dass es mir insgesamt besser geht, wenn ich aktiv bin. Ich bin sehr neugierig, ich gucke und finde gern, und je mehr man guckt, desto mehr findet man ja auch. Also gucke ich möglichst viel.

Wenn Sie dann aber schreiben, manche Menschen seien von der Suche verschont, klingt das fast bedauernd.

Das ist es. Manchmal bin ich neidisch auf Menschen, die sich nicht dauernd so unter Druck setzen wie ich. Aber ich bin eben so, war als Kind schon so (lacht). Ich hab' mich mit meinen Puppen immer auf den Weltuntergang vorbereitet.

Bitte was?

Ich hab' mit meinen Puppen geübt, was ich machen würde, wenn die Welt unterginge. Ich hab' Essen genommen, ein Zelt, einen Schlafsack und alles auf mein Go-Cart gepackt. Ich hätte uns immer sofort in Sicherheit bringen können.

Ist das heute noch so?

Nein (lacht)! Aber ich hab‘ auch heute noch schnell gepackt. Wenn mir heute einer sagt: 'Du musst morgen nach Australien zu einem Dreh fliegen', bin ich innerhalb von Stunden bereit.

Dieses Interview mit Eva Habermann wurde von Verena Koll für"Neue Presse (Hannover)" gemacht. Herzlichen Dank.

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